Drei Redewendungen, die beim Trödler gelernt haben
Drei Wörter, die du täglich benutzt – und die alle aus dem Gebrauchthandel stammen.
Auf dem Kerbholz haben
Wer im Mittelalter beim Händler anschreiben ließ, bekam keine Rechnung, sondern eine Kerbe. Ein Holzstab wurde eingeritzt und anschließend der Länge nach gespalten, sodass jede Partei eine Hälfte behielt. Die Maserung des Holzes verlief bei jedem Stab anders, und nur die beiden zusammengehörenden Hälften passten wieder exakt aufeinander. Fälschen war damit praktisch unmöglich – die älteste fälschungssichere Buchhaltung der Welt, hergestellt aus dem, was hinterm Haus wuchs.

Das System war so gut, dass es sich extrem lange hielt. Die englische Finanzverwaltung rechnete bis 1826 mit Kerbhölzern. Als man die ausrangierten Bestände 1834 im Ofen des Parlamentsgebäudes verheizen wollte, geriet die Sache außer Kontrolle und der Palace of Westminster brannte ab. Turner hat das gemalt. Man kann also sagen: Die Buchhaltung hat das Parlament überlebt, aber nur knapp.
Wer viel auf dem Kerbholz hatte, trug übrigens buchstäblich schwer daran.

Verhökern
Ein „Höker" war ein Kleinhändler ohne festen Laden, der seine Ware auf dem Rücken durch die Gassen schleppte – das Wort hängt mit „Hucke" zusammen, der Last, die man huckepack trägt. Sein Sortiment war das, was gerade zu haben war: Reste, Gebrauchtes, Übriggebliebenes, gelegentlich Zweifelhaftes. Und er pries es laut an. Sehr laut. Man hörte ihn kommen, bevor man ihn sah.
Weil der Höker in der städtischen Rangordnung ziemlich weit unten stand, schwingt bis heute ein abschätziger Ton mit. Wer etwas verhökert, verkauft es nicht – er wird es los.

Trödeln
„Trödel" bezeichnete ursprünglich Stoffreste, Fetzen und Gerümpel. Der Trödler handelte damit, und wer bei ihm einkaufte, brauchte Zeit: erst wühlen, dann prüfen, dann feilschen, gern eine Stunde lang um wenige Kreuzer. Aus dieser gemächlichen Angelegenheit wurde ein Verb für alles, was länger dauert, als es müsste.

Jedes Kind, das heute beim Anziehen trödelt, führt damit unwissentlich eine mittelalterliche Handelstradition fort. Man sollte es ihm gelegentlich sagen.
Bonus: Das Schnäppchen
Auch das kommt aus derselben Ecke. „Schnappen" hieß rasch zugreifen, und ein „Schnäpplein" war der Kauf, bei dem man schnell sein musste, weil er sonst weg war. An dem Prinzip hat sich in fünfhundert Jahren nichts geändert.
Mehr Gebrauchtes Wissen:
- Der Flohmarkt trug seinen Namen mit Recht
- Neu kaufen ist eine ziemlich neue Idee
- Warum eigentlich „aus zweiter Hand“?