Warum eigentlich „aus zweiter Hand"?

Mit dem Sekundenzeiger hat es nichts zu tun. Mit Klatsch schon.

Nein, die Uhr hat damit nichts zu tun, auch wenn das jeder Zweite behauptet. Die Verwechslung ist verständlich, weil das englische „second hand" tatsächlich beides bedeuten kann. Sie ist trotzdem falsch.

Der Sekundenzeiger heißt so wegen einer Rechenlogik, die aus dem Lateinischen stammt. Man teilte die Stunde in kleine Teile: die „pars minuta prima", den ersten verkleinerten Teil – daraus wurde die Minute. Teilte man noch einmal, ergab sich die „pars minuta secunda", der zweite verkleinerte Teil, und daraus wurde die Sekunde. Der Zeiger trägt den Namen der Zeiteinheit, nicht den einer Besitzerreihenfolge. Zwei völlig verschiedene Wörter, die zufällig gleich klingen.

Die Wendung „aus zweiter Hand" beschreibt schlicht den Reiseweg einer Sache. Erste Hand ist die Quelle, zweite Hand die Station danach, und wenn es verwickelt wird, kommen dritte und vierte dazu. Dasselbe Bild gibt es in mehreren Sprachen: „de seconde main" im Französischen, „tweedehands" im Niederländischen. Offenbar ist die Hand als Sinnbild für Weitergabe so naheliegend, dass man unabhängig voneinander darauf kam.

Ursprünglich ging es dabei gar nicht um Gegenstände, sondern um Wissen. Wer etwas aus erster Hand erfuhr, hatte es vom Beteiligten selbst gehört. Wer es aus zweiter Hand hatte, kannte nur die weitererzählte Version – mit allem, was dabei passiert. Erst später wanderte die Formulierung von Informationen zu Dingen, und zwar genau in dem Moment, als Dinge anfingen, in großen Mengen den Besitzer zu wechseln.

Der kleine Beigeschmack ist geblieben. Bei einer Information ist die zweite Hand ein Nachteil, weil unterwegs etwas verloren geht: ein Detail, ein Zusammenhang, die halbe Wahrheit.

Bei einer Schallplatte ist es genau umgekehrt. Da kommt unterwegs etwas dazu.

 

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