Über Mich (Uns)
TL;DR für Eilige & Leseverweigerer
Ich heiße Marek, sitze in Hannover und verkaufe gebrauchte Medien. Ich verpacke sie so gründlich, dass sich Kunden in Bewertungen über das Klebeband beschweren. Meine Frau fand das anfangs übertrieben.
Sie packt inzwischen mit.
Wer mehr wissen will, liest weiter. Wer nicht, scrollt zu den Statistiken. Da stehen die eindeutig interessanteren Sachen.
Die lange Version, es war einmal...
Ich wollte immer einen eigenen Laden. Das ist kein Gründerspruch, das ist ein Kindheitsding.

Aufgewachsen bin ich in einem Haushalt, in dem Dinge repariert wurden. Erst gucken, ob's noch geht. Dann schrauben. Und erst wenn wirklich nichts mehr half, wurde etwas weggeworfen. Das ging so in Fleisch und Blut über, dass ich anschließend siebzehn Jahre in der Industrie gelandet bin: Maschinenbau, staatlich geprüfter Techniker, Qualitätsthemen, Schichtbetrieb. Siebzehn Jahre in derselben Firma. Mein halbes Leben.
Warum ich gegangen bin, hat wenig mit mir zu tun.
Meine Frau ist für mich nach Deutschland gekommen und hat dafür in Polen alles aufgegeben: Wohnung, Arbeit, Familie, Freunde. Mitgebracht hat sie einen Studienabschluss und die Bereitschaft, noch einmal von vorn anzufangen.
In unserer damaligen Stadt mit 80.000 Einwohnern hat ihr beides nichts genützt. Mit polnischem Namen und polnischem Lebenslauf kam sie über Hilfstätigkeiten nicht hinaus – nicht, weil ihr etwas gefehlt hätte, sondern weil sich kaum jemand die Mühe machen wollte, das nachzuprüfen. Sie hat einiges einstecken müssen für eine Entscheidung, die sie meinetwegen getroffen hatte.
Irgendwann war mir klar: Wir gehen nach Hannover. Größere Stadt, mehr Türen. Und diesmal bin ich dran – diesmal gebe ich für sie alles auf. Ein Jahr lang bin ich von dort aus weiter zur alten Arbeit gependelt. 120 Kilometer pro Strecke, anderthalb Stunden, wenn es gut lief. Dazu Schichtdienst. Wer das mal gemacht hat, weiß, dass man irgendwann nur noch fährt und schläft.

Dann habe ich einen Schlussstrich gezogen. Einvernehmlich, ohne Groll, nach der Hälfte meines Lebens.
Der Arbeitsmarkt in Hannover war anschließend, sagen wir, überschaubar begeistert von mir. Also habe ich zusammengezählt, was da war: ein altes Hobby, ein noch älterer Traum und eine Prise „no risk, no fun". Daraus wurde ReturnTreasures. Erwartet habe ich davon ehrlich gesagt wenig.
Am wenigsten erwartet habe ich, dass ausgerechnet das Verpacken die Sache wird, für die ich bekannt bin.
Angefangen hat das als Ärgernis. Ich habe selbst jahrelang bestellt, und was da ankam, war streckenweise beeindruckend: eine Blu-ray in einer aufgeschnittenen Cornflakes-Packung. Eine CD in der Tüte, in der vorher Tiefkühlerbsen lagen. Einmal ein Spiel, lose in einer Kaufland-Tüte, oben verknotet, fertig. Kaputt war nichts davon. Aber jedes Mal dachte ich dasselbe: Das geht doch besser.

Als ich dann selbst anfing, war das keine Frage mehr, sondern der Punkt, an dem ich mir nichts nachsagen lassen wollte.
Meine Frau sagte am Anfang, es interessiere doch niemanden, wie ich ein Paket zuklebe und welche Sticker draufkommen. Sie hatte objektiv recht und lag trotzdem vollständig daneben. Heute steht in Bewertungen, der schwierigste Teil des Kaufs sei gewesen, das Klebeband wieder abzubekommen. Das ist die schönste Beschwerde, die ich mir vorstellen kann.

Inzwischen packen wir zu zweit. Beim Listen dreh ich 90er- und 2000er-Hip-Hop voll auf. Beim Packen ist Ruhe, weil wir dabei reden müssen und weil null Fehler eben null Fehler bedeutet. Das ist der Teil, den ich aus der Industrie mitgenommen habe: Ein Prozess, der funktioniert, ist keine Kunst. Er ist nur jedes Mal gleich.
Was ich verkaufe, prüfe ich vorher selbst. Was nicht als Mangel dabeisteht, ist keiner. Und wenn du etwas fragst, antworte ich dir – hier gibt es kein Ticketsystem und keine Warteschleife.

Am wichtigsten ist mir dabei der menschliche Teil. Respekt, Vertrauen, Freundlichkeit. Nicht Verkäufer zu Kunde, sondern Mensch zu Mensch. Nostalgiefan zu Sammler. Der kleine Marek im Herzen zu dem Kind, das in jedem von euch da draußen noch irgendwo sitzt.
Am Ende ist das gar nicht weit weg von der Werkstatt meiner Kindheit. Erst gucken, ob's noch geht.
Meistens geht's noch.

Zahlen, nach denen niemand gefragt hat, die aber trotzdem existieren
Klebeband seit Januar: 40 Rollen. Bei 50 Metern pro Rolle sind das exakt 2 Kilometer. Auf den Meter genau, was mich mehr freut, als es sollte. Tendenz steigend. Meine Frau hat aufgehört, das zu kommentieren. (Stand: September 2026)
Größte Sendung bisher: eine afrikanische Lampe. 1,50 Meter hoch, über 10 Kilo schwer. Sie ist heil angekommen. Ich habe danach eine Pause gebraucht.

Pakete pro Monat: jeden Monat mehr als im Monat davor. Seit dem ersten Tag. Ich habe das nicht geplant, ich stelle es nur regelmäßig überrascht fest.
Artikel mit der längsten Regalzeit: Flat Eric. Er wird nicht gelistet. Er wird auch nicht zur Diskussion gestellt.
Recherchezeit pro Artikel: irgendwo zwischen zwei Minuten und deutlich zu lange. Manche Platten ziehen mich so rein, dass ich hinterher mehr über die Pressung weiß als über meinen Terminkalender.
Parkknöllchen beim Paketewegbringen: gesammelt wie Sammelkarten. Unfreiwillig, aber konsequent. (Stand: 5 Tickets / September 2026)
13 mal unnützes Wissen über mich
Fakt 1:
Ich sammle Science-Fiction-Bücher, die ich mir fest vornehme zu lesen. Bisher 65 Stück. Ausschließlich Hardcover, ausschließlich ungelesen.
Fakt 2:
Einmal im Monat kaufe ich etwas völlig Unvernünftiges und lasse mein inneres Kind entscheiden. Es steht dann im Büro. Aktuell: Turtles, Batman, ein zeitunglesender Spider-Man auf meinem Monitor und eine Minecraft-Pixellaterne.

Fakt 3:
Ich habe einen 3D-Drucker. Ich habe ihn noch nie benutzt. Wir schweigen uns freundlich an.
Fakt 4:
Als Kind habe ich versehentlich meinen Wellensittich eingesaugt. Er hat es unbeschadet überstanden. Ich brauchte länger.

Fakt 5:
Ich hatte jahrelang Angst vor Libellen, weil ich als Kind glaubte, sie könnten mit einem Stich töten. Ich weiß es inzwischen besser. Die Angst nicht.
Fakt 6:
Meine Spinnenphobie habe ich dagegen geheilt: mit einer Vogelspinne auf dem Arm, auf einer Insektenausstellung. Der Libelle habe ich das nie erzählt.
Fakt 7:
Meine Frau ist Harry-Potter-Nerd. Ich bin eher Muggel. Wir haben uns arrangiert.
Fakt 8:
Beim Listen läuft Hip-Hop aus den 90ern und 2000ern, laut. Beim Packen herrscht Stille. Beides hat einen Grund.
Fakt 9:
Gebrauchte Puzzles legt meine Frau vor dem Verkauf einmal komplett zusammen, damit ich die Vollständigkeit auch wirklich garantieren kann. Egal welches Motiv, egal wie viele Teile. Manchmal macht es ihr sogar Spaß.
Fakt 10:
Videospiele sind meins, Science-Fiction am liebsten. Was in dieser Kategorie im Shop landet, habe ich vorher mindestens einmal wehmütig angeguckt. Mein Herz sagt ja, meine Frau sagt: "Nie!".
Fakt 11:
Wenn sie Nein sagt, liste ich die Sachen manchmal einfach mit Absicht nicht. Das ist mein innerer Kompromiss. Sie stehen nicht da, wo ich sie gern hätte – aber ich weiß, dass sie da sind.
Fakt 12:
Mit meinem Postboten bin ich per Du. Im Paketshop werde ich bereits mit „Brudi" begrüßt. Für „Chef" ist es noch zu früh. Das alles habe ich mir hart erarbeitet.
Fakt 13:
Dem Müllmann danke ich regelmäßig für seine Arbeit. In einem Gewerbe, das aus Kartons, Folie und Klebeband besteht, ist das keine Höflichkeit, sondern angebracht.

Die Statistiken (der versprochene interessantere Teil)




